Nachhaltiges Anlegen als Herausforderung? Hier hilft ein aktiver Ansatz

Viewpoints 06.11.2018 von Dr. Zeno Staub
Lesezeit: 2 Minute(n)
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Sollen an «nachhaltigen Aktien» interessierte Investoren eine aktive oder eine passive Anlagestrategie verfolgen? Letzteres, behaupten einige Marktteilnehmer, die börsengehandelte indexbasierte Fonds (Exchange Traded Funds, ETFs) als künftigen Wachstumsmotor im Bereich nachhaltige Anlagen betrachten. Das Problem dieser passiven Anlageinstrumente ist, dass sie allzu oft keinen Unterschied machen zwischen Unternehmen mit Bestleistungen im Nachhaltigkeitsbereich und Firmen, die den Anforderungen gerade noch gerecht werden. Deshalb sind wir überzeugt, dass ein aktiver Ansatz zielführender ist.

Mit passiven Anlageprodukten verkommt nachhaltiges Investieren zu einer reinen Prozessangelegenheit, bei der ein Computer sozusagen «ja» oder «nein» sagt. Damit werden auch Unternehmen, die nur mit der Note «gerade genügend» abschneiden, in einen Sustainability-Index aufgenommen.

Die Kunden erwarten jedoch viel mehr von ihren Investitionen. Sie wollen nicht in unter Umständen zweifelhafte Branchen investieren, sondern nachts gut schlafen können. Zwar unterstützen ausschlussbasierte Indizes dieses Ziel vordergründig. Auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch Defizite, die das Vertrauen der Kunden in solche Anlagevehikel gefährden. Da sich die Kunden dieser Problematik bewusst sind, ist es letztlich ihre Verantwortung als Kapitaleigner, den Anstoss für Veränderungen zu geben.

Passive Anlageprodukte besitzen keine Mechanismen, um Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen bevorzugt Kapital zuzuführen. Larry Fink verweist auf Kunden in Skandinavien, den Niederlanden und Frankreich, die Nachhaltigkeit längst einfordern. Anspruchsvolle Anleger werden aber künftig genau hinsehen und nachfragen, weshalb ihr Geld sowohl Unternehmen zugute kommt, die mit hohen Nachhaltigkeitsstandards überzeugen, als auch Gesellschaften, die nur gerade Mindestkriterien erfüllen. Von der Finanzbranche wiederum wird erwartet, dass sie Veränderungen in der Wirtschaft unterstützt und vorantreibt. Es braucht einen wesentlich durchdachteren Ansatz, der sich aus einem aktiven Managementstil ergibt.

Die aktive Analyse von Unternehmen stellt sicher, dass primär Unternehmen mit besseren Geschäftspraktiken von Kapitalflüssen profitieren. Dadurch lassen sich nicht nur Risiken vermeiden. Anleger, die über die Positionierung von Unternehmen im Hinblick auf wichtige Themen wie Klimawandel im Bilde sind, dürften über bessere Chancen verfügen.

Ein aktives Portfoliomanagement schärft das Auge. Es führt dazu, dass Geschäftsleitungen Rechenschaft über ihren Anstrengungen in Bezug auf Nachhaltigkeit ablegen müssen. So kommen aktive Portfoliomanager regelmässig mit der Unternehmensleitung zusammen und stimmen sogar oftmals gegen sie – im Interesse von guter Geschäftsführung und Transparenz.

Aktive Portfoliomanager können ihre Auswahl erklären und treffen fundierte Entscheidungen, auch in Grenzfällen. So können sie beispielsweise Unternehmen berücksichtigen, die eine enorme Bereitschaft zur Veränderung ihrer Arbeitsweise zeigen – selbst wenn sie im Moment weniger nachhaltig wirtschaften als andere Kandidaten.

Weiter sind aktive Portfoliomanager in der Lage, über alle Anlageklassen die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards sicherzustellen, zum Beispiel im Bereich Schwellenländer, festverzinsliche Anlagen und Immobilien, wo ein einfacher, indexbasierter Ansatz nicht funktioniert. Anders als passive Anlageprodukte können aktive Lösungen die Anforderungen der Kunden über das gesamte Portfolio hinweg erfüllen.

Natürlich haben in einer Welt, in der Vermögensverwaltung eine grosse Rolle spielt, sowohl passive, als auch aktive Ansätze ihre jeweiligen Vorzüge. Allerdings verlangt ein echtes Bekenntnis zu ESG (Environmental, Social, Governance)-Standards nach Entscheidungen mit hohem Überzeugungsgrad.

Um die dringendsten globalen Probleme im Bereich Nachhaltigkeit zu lösen, wird es nicht ausreichen, ein paar «schwarze Schafe» auszugrenzen oder passiv einem Index zu folgen. Heutzutage erwarten Kunden mehr.