Investors' Outlook September 2018

Investor Outlooks , Multi Asset 01.09.2018 von Christophe Bernard
Lesezeit: 2 Minute(n)
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Handelskrieg zwischen USA und China: wenn's nur um den Handel ginge

Nachdem die von den USA auferlegten Importzölle in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar nun in Kraft sind, verfolgen Investoren und Unternehmen besorgt die jüngst wieder aufgenommenen Gespräche zwischen China und den USA in der Hoffnung, dass die Zölle von zusätzlichen 200 Milliarden US-Dollar auf chinesischen Gütern abgewendet werden können. Um diese Frage zu beantworten, möchten wir die erklärten Ziele der Trump-Regierung in Erinnerung rufen:

  • Markanter Abbau des bilateralen Handelsdefizits (2017 importierten die USA chinesische Güter im Wert von 506 Milliarden US-Dollar, während China Güter im Wert von lediglich 130 Milliarden US-Dollar aus den USA importierten (siehe Grafik 1)
  • Streichung der Subventionen für die in Chinas Agenda 2025 genannten strategischen Bereiche (künstliche Intelligenz, 5G Telekom, autonome Autos, Batterie-Technologien, etc.)
  • Keine erzwungenen Technologie-Transfers mehr
  • Mehr Wettbewerb für Staatsunternehmen

Bilaterales Handelsdefizit USA vs. China

Mrd. USD

Quelle: U.S. Census Bureau, Thomson Reuters Datastream, Vonotobel

China scheint bereit, sein Handelsdefizit signifikant zu kürzen, wohl aber nicht, seine Ambition aufzugeben, in den obig genannten Bereichen die globale Führerschaft zu erlangen. Ausserdem würde die «Kapitulation» von Präsident Xi Jinping seinem Ruf als «starker Mann» schaden, den der Nationalist sorgsam pflegte, seit er 2013 auf den höchsten Posten rückte. China hat auf alle bisherigen Handelszölle der USA mit Vergeltungsmassnahmen reagiert und seine Geldpolitik gelockert, um mögliche Auswirkungen einer Eskalation auf die Wirtschaft abzuwenden. Ausserdem liess die Regierung eine Abwertung des Renminbi zu, und wies die Banken an, die Exporteure zu unterstützen. China scheint sich für einen längeren Kampf zu rüsten. Nachdem die Auseinandersetzungen mit der Europäischen Union auf Eis gelegt wurden und die NAFTA-Verhandlungen nach Abschluss eines bilateralen Abkommens mit Mexiko nun auf gutem Weg zu sein scheinen, haben die USA jetzt China im Visier. Präsident Donald Trump und andere wichtige Vertreter der US-Regierung sind überzeugt, dass China einen vom Staat gesteuerten Plan verfolgt, um US-Technologie zu stehlen und die globale Vormachtstellung der USA längerfristig zu torpedieren.

Mit dem starken US-Dollar, neuen Höchstständen an der Wall Street und einer florierenden US-Wirtschaft im Rücken ist Donald Trump überzeugt, dass Präsident Xi nachgeben wird (siehe Grafik 2). Wir sind da nicht so sicher. China ist, bedingt durch seine Geschichte, eisern und beugt sich fremden Mächten nicht so einfach. Darum dürfte der Handelskrieg wohl nicht so bald enden. Dazu bräuchte es richtig schmerzhafte Folgen für die US-Wirtschaft.

Chinesische Anlagen verlieren gegenüber amerikanischen

Quelle: Datastream, Vonotobel

Die chinesischen Sojabauern und Autoexporteure sind bestimmt nicht begeistert, doch Präsident Trump dürfte dem Druck nicht nachgeben, ein Abkommen zu schliessen. Im Agrarsektor der USA wurden zudem Subventionen von 12 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung der Landwirte gesprochen. Die Folgen zusätzlicher Zölle von 200 Milliarden US-Dollar für die Gesamtwirtschaft würden sich mit der Zeit in Form einer sinkenden Nachfrage und steigenden Preisen zeigen. Für China ist die Lage prekärer, weshalb die Regierung von ihrer Politik des Schuldenabbaus abrückt, um das Wachstum nicht zu gefährden.

Wenn es nur um Handel ginge, könnten beide Seiten schon im nächsten Quartal ein Abkommen schliessen. Es geht aber um die langfristige strategische Vorherrschaft und die USA sind nicht gewillt, ihre globale Position kampflos aufzugeben. Wenn China allerdings helfen würde, die Nordkorea-Krise beizulegen, könnte Trump die Handelserschwernisse womöglich lockern ...

All dies bedeutet weiterhin Unsicherheit für die Anleger. Sie sollten auf eine weitere Eskalation im Handelskrieg gefasst sein, aber dennoch flexibel bleiben, um mögliche Chancen zu nutzen, falls sich die Lage entspannt. Zur Entspannung wäre ein persönliches Treffen zwischen den Präsidenten Xi und Trump bestimmt hilfreich. Wie sich jüngst gezeigt hat, bleiben die persönlichen Zusagen von Präsident Trump eher haften, während jene seiner Untertanen leicht verpuffen.