Die Volatilität ist zurück

Market Update , Multi Asset 11.10.2018
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An den Aktienmärkten kam es in den letzten 24 Stunden zu einem starken Abverkauf, der S&P 500, Nikkei und Hang Seng Index verloren je rund 4 Prozent. Die europäischen Börsen eröffneten mit einem Minus von 1.5 Prozent, nachdem sie bereits am Mittwoch um 1.5 Prozent zurückgegangen waren. Die Volatilität, erfasst durch den VIX-Index – dem sogenannten Angstbarometer der Wall Street – ist um 40 Prozent auf 23 Prozent gestiegen.

Was steckt hinter der Marktschwäche?

  • Der zuletzt gesehene Anstieg der Rendite der zehnjährigen US-Treasuries, der die 3-Prozent-Marke überschritt, führt zu einer breit angelegten Neubewertung von Vermögenswerten. Dies gilt insbesondere für Wachstumswerte, bei denen ein höherer Abschlag unter sonst gleichen Bedingungen zu einem niedrigeren Barwert führt.
  • Obwohl die Einführung von wechselseitigen Strafzöllen zwischen den USA und China noch nicht zu einer allgemeinen und spürbaren Auswirkung auf das globale Wachstum geführt hat, zeigen sich langsam Risse. So gingen im September beispielsweise die Autoverkäufe in China zurück, und der Luxusgüterhandel zeigte sich in letzter Zeit aufgrund der strengeren Durchsetzung der chinesischen Zollvorschriften schwächer.
  • Der italienische Haushaltsstreit bleibt ungelöst, die Regierungskoalition geht gegenüber der Europäischen Kommission auf Konfrontationskurs.

Wie ist unsere Einschätzung?

  • Der Anstieg der US-Treasury-Rendite wurde von einer robusten US-Wirtschaft mit einer Wachstumsrate von 3 Prozent getrieben, mit einer rekordniedrigen Arbeitslosigkeit von 3.7 Prozent und einer (noch) gezügelten Kerninflation von rund 2 Prozent (gemessen an der von der US-Notenbank bevorzugten PCE-Kernrate). Der US-Notenbankchef Jerome Powell äusserte sich kürzlich zuversichtlich zu den Konjunkturaussichten in den USA und deutete an, dass das Fed seinen Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen fortsetzen werde. Unser proprietäres Prognosemodell für die Rendite zehnjähriger US-Treasuries deutet auf leichtes Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Niveau hin. Selbst wenn sich die US-Konjunktur im Jahr 2019 nicht verlangsamt – wir erwarten derzeit für das Jahr 2019 ein Wirtschaftswachstum von 2.4 Prozent in den USA im Vergleich zu geschätzten 2.9 Prozent im Jahr 2018 – könnte unserem Modell zufolge die Rendite zehnjähriger US-Treasuries in Richtung 3.5 Prozent klettern. Ein kräftiger Anstieg der Zinssätze ist eindeutig negativ für risikoreiche Vermögenswerte und der jüngste Renditeschub ein Treiber der Marktschwäche. Sollte es jedoch zu unserem Basisszenario kommen, erscheint ein weiterer Anstieg der US-Renditen höchst unwahrscheinlich.
  • Der Internationale Währungsfonds hat kürzlich seine globalen Wachstumsprognosen für 2018 und 2019 von 3.9 Prozent auf 3.7 Prozent nach unten korrigiert und nennt als Gründe den möglichen Einfluss von Handelskonflikten und Schwäche in mehreren Schwellenländern. Die Revision ist moderat und das Gesamtbild bleibt positiv. Eine stärker als erwartete Abschwächung würde jedoch durch negative Gewinnrevisionen eine klare Bedrohung für die Aktienmärkte darstellen.
  • Auch wenn die Auswirkungen des italienischen Haushaltskonflikts sich noch nicht weiter als auf Vermögenswerte mit Italienbezug ausgedehnt haben, könnte eine unkontrollierte Ausweitung der Renditedifferenzen zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen zu einer zusätzlichen Belastung der Märkte führen. Höhere Renditedifferenzen könnten sich jedoch als notwendiges Übel erweisen, damit die italienische Regierungskoalition in ihrer Auseinandersetzung mit der Europäischen Kommission ihren Realitätssinn wahrt.

Wie ist unsere Positionierung?

  • Wir haben eine moderate Untergewichtung sowohl in den Aktien- als auch den Staatsanleihemärkten, da wir in beiden Bereichen kurzfristig wenig Potenzial sehen. Interessanterweise verlieren Staatsanleihen in ausgewogenen Portfolios aktuell einen Teil ihrer Diversifikationskraft, denn Staatsanleihen zogen während des Abverkaufs kaum an.
  • Bei risikoreichen Vermögenswerten bevorzugen wir hochverzinsliche Anleihen und Rohstoffe.
  • Wir halten an unserem seit Langem bestehenden Übergewicht in alternativen Strategien fest.

Insgesamt sollte die aktuelle Korrektur nicht völlig überraschend sein, da sich seit einiger Zeit dunkle Wolken am Horizont bilden. Da wir glauben, dass die Bedrohung durch steigende Anleiherenditen übertrieben wahrgenommen wird, könnte die derzeitige Schwäche taktische Kaufmöglichkeiten bieten, vorausgesetzt, die Unternehmensgewinne enttäuschen nicht. Die kommende Gewinnberichtssaison sollte in dieser Hinsicht für mehr Transparenz sorgen.