Appetit auf Nachhaltigkeit? Insekten als Fleischersatz der Zukunft

Verantwortung 05.09.2018
Lesezeit: 2 Minute(n)

Das Video-Interview mit Insektenzüchter Dr. Benjamin Steiner

Insekten als Lebensmittel: Was bis vor Kurzem in der Schweiz noch undenkbar war, ist heute Realität. Mit seinem Start-up «Ensectable» will Veterinärmediziner Dr. Benjamin Steiner den Fleischmarkt aufmischen. Für den Bio-Pionier sind Mehlwürmer, Grillen und Co. die effizienteste, nachhaltigste Alternative zu tierischem Protein. Unterstützt wird er von der Klimastiftung Schweiz.

Der Kopf hinter «Ensectable»: Dr. Benjamin Steiner, Gründer und CEO, vor seiner Bio-Insektenzucht in Endingen (AG). © Video: Vontobel 2018.


Seit Frühjahr 2017 sind Insekten auch in der Schweiz zum Verkauf und Verzehr erlaubt. So hat es das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bestimmt. Doch damit «swiss made» Insekten-Burger oder -Pralinen den Weg auf Schweizer Teller finden, muss erst die wichtigste Rohstoffquelle erschlossen werden: Noch fehlen hierzulande die passenden Grillen, Mehlwürmer oder Heuschrecken. Deren Produktion findet bis heute fast ausschliesslich im Ausland statt. Das will Benjamin Steiner, Mitgründer des Start-ups «Ensectable», in Zukunft ändern.

Auf den Geschmack gekommen: nachhaltig essen ohne auf Fleisch zu verzichten

Insekten sind klein, brauchen wenig Platz, kaum Futter – und sie vermehren sich rasend schnell. Zudem tangiert ihre Nahrungskette nicht den Speiseplan von uns Menschen – im Gegensatz zur herkömmlichen Viehwirtschaft. Das macht sie konkurrenzlos nachhaltig in vielerlei Hinsicht: wirtschaftlich, sozial sowie ökologisch.

Sind Insekten also die lang ersehnte Chance für eine Gesellschaft, die Appetit auf beides hat, auf Fleisch wie auf Nachhaltigkeit? Im Prinzip ja, ist Steiner überzeugt. Doch zuerst müsse noch viel Pionierarbeit geleistet werden.

«Insekten essen niemandem etwas weg.»

Bis der Insekten-Schmaus so alltäglich ist wie das Fleisch oder die Wurst, sind alle gefordert: der Konsument, der seinen kulturell geprägten Ekel überwindet und versteht, dass gutes Essen auch für die Umwelt gut sein kann; der Koch, der die neuen Zutaten mit kreativen Ideen belebt; und der Produzent, der viel Wissen und Erfahrung aufholen muss, bis die Insektenzucht auch hierzulande auf demselben Niveau ist wie die jahrhundertealte Viehwirtschaft.

Quereinsteiger ohne Berührungsängste

Auf dem umgebauten Bauernhof seiner Eltern stellt Benjamin Steiner gemeinsam mit Ökonom Christian Bärtsch und Tierpflegerin Mina Gloor ein Start-up auf die Beine, bei dem «Bio» von Natur aus Programm ist. Denn wer mit Insekten arbeitet, fürchtet nichts so sehr wie die Insektizid-Rückstände, die auf konservativ produzierten Lebensmitteln zu finden sind. Darum ernähren die Jungunternehmer aus Endingen (AG) ihre Insekten ausschliesslich mit Resten und Abfällen von Bio-Gemüse sowie Nebenprodukten, die bei der biologischen Bier- und Getreideherstellung anfallen.

Erfahren Sie im Video-Interview, wie der promovierte Veterinärmediziner den Grundstein legt für die schweizweit erste Bio-zertifizierte Insektenzucht.

Über Dr. med. vet. Benjamin Steiner

Benjamin Steiner ist Gründer und CEO des Schweizer Start-ups «Ensectable». Der promovierte Veterinärmediziner arbeitete mehrere Jahre als Tierarzt im Kanton Graubünden, bevor er den Bauernhof seiner Eltern zur ersten Bio-zertifizierten Insektenzucht umbaute.

Wer sind wir? Wie leben wir heute? Und können wir das auch morgen noch so tun? Die Frage nach einer nachhaltigen Zukunft bewegt die Gesellschaft mehr denn je. Antworten suchen Ingenieure, Mediziner, Politiker und jeder einzelne von uns. Das Interview mit Dr. Benjamin Steiner ist einer von zahlreichen Beiträgen, die das Thema Nachhaltigkeit aus einem neuen, inspirierenden Blickwinkel beleuchten. Wir publizieren sie hier als Teil unserer Serie «Impact».

 

Schweizer Pioniergeist live erleben

Am Samstag, 8. September 2018, weihte das Start-up «Ensectable» seine Bio zertifizierte Mehlwürmer- und Grillenzucht ein. Möglich gemacht haben dieses Pionierprojekt unter anderem Förderbeiträge der Klimastiftung Schweiz.

Zur offiziellen Medienmitteilung
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Vontobel feiert 10 Jahre Klimastiftung Schweiz

Im Sommer 2008 gründete Vontobel zusammen mit zehn Schweizer Dienstleistungsunternehmen die Klimastiftung Schweiz. Ausschlaggebend war die Einführung der eidgenössischen CO2-Lenkungsabgabe. Sie hatte zur Folge, dass grosse, energieeffiziente Dienstleistungsunternehmen wie Vontobel mehr Geld zurückvergütet bekamen, als sie für die Abgabe effektiv aufwenden mussten. Doch Klimaschutz funktioniert umso besser, wenn alle mitmachen können. Über die Klimastiftung Schweiz spenden mittlerweile 27 Partnerfirmen ihre Rückvergütungen an KMU, damit diese eigene Klimaschutzideen realisieren können.

www.klimastiftung.ch