Der Mensch bleibt die wichtigste Ressource einer Bank

Digitalisierung 26.09.2018
Lesezeit: 3 Minute(n)

Ein Gastbeitrag von Dr. Zeno Staub, CEO Vontobel, erschienen am 13. September 2018 in der Neue Zürcher Zeitung NZZ.

Roboter und künstliche Intelligenz sind Werkzeuge, die den Menschen stärker und wettbewerbsfähiger machen, aber letztlich sind sie nur Nachfolger des Faustkeils. Menschen, die diese neuen Werkzeuge beherrschen, verlangen nach einer spezifischen und weiterentwickelten sozialen Interaktion - im Kontext des Unternehmens also nach einer bestimmten Unternehmenskultur.

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Vontobel-CEO Dr. Zeno Staub

Lange galt die Digitalisierung nur als Mittel zur Steigerung der Effizienz von Abwicklungs- und anderen Backoffice-Prozessen. Nun ist die Technologie mit aller Macht in den differenzierenden und wertschöpfenden Prozessen im Frontoffice und im direkten Kundenkontakt angekommen: Sicherstellung von Best-Execution-Standards, Optimierung der Datenanalyse im Investmentbereich, quantitativ gesteuerte Anlage- und Risikomanagement-Prozesse und immer neue Formen der Kundeninteraktion, die dank der Technologie in Echtzeit massgeschneidert und interaktiv erfolgt.

Nicht ohne den Menschen

Im Zentrum der Vermögensverwaltung bleibt das Verstehen und Strukturieren des Kundenanliegens der Ankerpunkt jeder Beratung. Danach folgen die Abbildung und die Umsetzung der daraus resultierenden Anforderungen an den Kapitalmärkten, aus Überzeugung mit aktiven Ansätzen, von der Einsicht getragen, dass nur eigenständige Analyse und unabhängiges Denken einen Mehrwert schaffen. Die gemeinsame Reise des Kunden und seines Finanzberaters, auf der das Vermögen beziehungsweise seine Kaufkraft durch die Zeit getragen und entwickelt wird, ist geprägt von stetiger Kommunikation, Transparenz und einer systematischen Erfolgskontrolle. In all diesen Teilschritten kann die Technologie entweder die erreichbaren Ergebnisse verbessern helfen, die Kundeninteraktion und damit das Kundenerlebnis einfacher, individueller, zeit- und ortsunabhängig gestalten oder die Wirkung der involvierten Spezialisten erhöhen und ihre Effizienz steigern.
 

Die Technologie wird bald jede repetitive, rein regelbasierte monothematische Aufgabe besser, rascher und schneller erledigen als der Mensch.

Somit verändert sich die Zusammensetzung des Teams, das man für den Erfolg im Vermögensverwaltungsgeschäft braucht. Technologie-Experten, Data-Scientists und Spezialisten für die sogenannte User-Experience sind je länger, je mehr unerlässlicher Bestandteil eines erfolgreichen Teams. Sie unterstützen, ergänzen, verstärken den Investor und den Berater, sie ersetzen ihn jedoch nicht. Diese Profile sind heute nicht nur knapp, sie sind auch in anderen Branchen zuerst entstanden und zur Exzellenz entwickelt worden. Es ist eine Herausforderung für Finanzunternehmen, diese Profile anzuziehen, von ihnen zu lernen und eine konstruktive Team-Interaktion zu erreichen.

Ein gewichtiger Impulsgeber

Die Technologie wird bald jede repetitive, rein regelbasierte monothematische Aufgabe besser, rascher und schneller erledigen als der Mensch. Auf unsere Branche übersetzt, wird der Kunde das passiv geführte «One size fits all»-Portfolio digital zum Nulltarif beziehen wollen und auch können. Anbieter, die ihren Kunden einen echten Mehrwert bieten und sich von dieser Alternative abheben wollen, brauchen Mitarbeitende, die Technologie als Werkzeug beherrschen und mit ihr auch in Kombination mit den ureigensten, nicht kopierbaren menschlichen Eigenschaften - Kreativität, sozialer Interaktion, bewusster Meinungsbildung und vielen mehr - den Unterschied machen. Diese Menschen brauchen ein Umfeld, das von einem starken sinngebenden Unternehmenszweck getragen ist.
 

Strukturen müssen Agilität, Geschwindigkeit und Innovation unterstützen.

Sie verlangen nach unternehmerischer Freiheit und sind bereit, persönlich Verantwortung zu übernehmen und Ausserordentliches zu leisten. Sie fordern ihr Umfeld, sie verlangen nach Vorbildern und nach Reibung. Sie sind bereit, viel zu geben - aus Überzeugung. Sie wollen erfolgreich sein, denn sie wissen, dass Menschen, die diese neuen digitalen Werkzeuge beherrschen, sehr mächtige Geschäftsmodelle aufbauen können.

Nötig sind neue Strukturen

Dies verlangt auch von der Unternehmensführung auf allen Stufen viel. Die Strategie, Ziele und Stossrichtungen festzulegen und gemeinsam zu entwickeln, das löst die Definition und die Verteilung von konkreten Aufgaben und Teilschritten ab. Strukturen müssen Agilität, Geschwindigkeit und Innovation unterstützen. Und die dem industriellen Effizienz-Mantra verhasste Redundanz und Dezentralität ermöglicht es erst, mit einer sich schnell bewegenden, komplexen Umwelt umzugehen. Eine spannende Unternehmenswelt mit vielen Chancen und dem Menschen im Zentrum.

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Über Dr. Zeno Staub

Dr. Zeno Staub ist seit 2011 CEO von Vontobel. Zuvor war er bei Vontobel CFO, leitete danach das Investment Banking und anschliessend das Asset Management. Zeno Staub studierte an der Universität St. Gallen Ökonomie, wo er auch promovierte.

Wer sind wir? Wie leben wir heute? Und wie wird die Digitalisierung unser Leben verändern? Die Frage nach der Zukunft bewegt die Gesellschaft. Antworten suchen Philosophen, Forscher, Unternehmer, Politiker und jeder einzelne von uns. Der Gastbeitrag von Dr. Zeno Staub ist einer von zahlreichen Beiträgen, die das Thema aus einem neuen, inspirierenden Blickwinkel beleuchten. Wir publizieren sie hier als Teil unserer Serie «Impact».

Vontobel sucht immer wieder Mitarbeitende, die Technologie als Werkzeug beherrschen und mit ihr in Kombination mit nicht kopierbaren menschlichen Eigenschaften den Unterschied machen.

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