30 Jahre Hans Vontobel–Preis für Agrarwissenschaften: Helle Köpfe braucht die Welt

01.04.2019
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Einen besonderen Abend erlebten die über 100 Gäste anlässlich der Jubiläumsfeier «30 Jahre Hans Vontobel-Preis für Agrarwissenschaften» im Vontobel Auditorium. Der Blick zurück offenbarte den Ursprung des Preises, nämlich Hans Vontobels tiefe Verbundenheit mit der Natur. Spannende Fakten präsentierte ETH-Professorin Nina Buchmann in ihrer Keynote «Nachhaltigkeit und Landwirtschaft – ein Widerspruch?»

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Hans Vontobel. Ein grosser Bankier und Naturliebhaber

«Aus Hans Vontobel hätte auch ein Biologe werden können.» Mit diesen Worten eröffnete Herbert J. Scheidt, Präsident des Verwaltungsrates der Vontobel Holding AG, den Jubiläumsanlass. Stattdessen prägte Hans Vontobel den Schweizer Finanzplatz wie kaum eine andere Persönlichkeit. Seine Liebe zur Natur pflegte er zeitlebens: Er wanderte oft und bot auch seinen Mitarbeitenden biologisch geführte Exkursionen an.

Eines Tages trug ETH-Professor emeritus Gerald Stranzinger die Idee an ihn heran, die Agrarwissenschaften zu fördern. Schnell fing Hans Vontobel Feuer für die Idee und rief 1989 «seinen Preis» ins Leben.

«Während seiner Gymnasialzeit zeigt der Junge grosses Interesse an Biologie und Medizin, züchtete Kaninchen und war schon morgens früh in seinem Schrebergarten anzutreffen».

Aus dem Buch „Hans Vontobel – Bankier –Patron –Zeitzeuge“

Prof. Dr. Sarah Springman, Rektorin der ETH Zürich, wies darauf hin, dass der Preis die Leistungskultur fördere und als Türöffner für die Preisträgerinnen und Preisträger diene: Die ausgezeichneten Arbeiten sprächen ein breites Publikum an.

Dr. Maja Baumann. Lösungen finden für riesige Herausforderungen

Dr. Maja Baumann würdigte ihren verstorbenen Grossvater, Hans Vontobel, und die Preisträgerinnen und Preisträger der letzten 30 Jahren. «Der Preis schafft einen kleinen Anreiz, um Grossartiges zu leisten. Die Welt ist dringend angewiesen auf innovative und nachhaltige Lösungen aus der Agrarwissenschaft, um 9 Milliarden Menschen zu ernähren, die 2040 die Welt bevölkern werden», erläuterte Dr. Maja Baumann. Ihrem Grossvater war bereits vor 30 Jahren bewusst, dass die Landwirtschaft eine zentrale Rolle für den Erhalt der Umwelt und für das Wohl von Tieren und Menschen spielt.

Prof. Nina Buchmann. Artenvielfalt nützt auch der Produktivität

«Artenvielfalt steigert die Produktivität», erläuterte Prof. Nina Buchmann während ihrer Keynote «Nachhaltigkeit und Landwirtschaft – ein Widerspruch?». Dies bestätigt ein Experiment in Jena, an dem die ETH Zürich seit 2002 beteiligt ist. Auf zehn Hektaren, unterteilt in etwa 600 Versuchsparzellen, wachsen experimentell zusammengestellte Graslandgemeinschaften: von der Monokultur bis hin zur Wiese mit 60 verschiedenen Gräsern, Kräutern und Leguminosen (Hülsenfrüchte). Die Messungen lassen folgende Schlussfolgerung zu: Die Artenvielfalt sorgt für ein gut funktionierendes Ökosystem und wirkt sich zudem positiv auf die Produktivität und Futterqualität aus.

Verschiedene Wege führen zur CO2-Reduktion

«Die Kohlenstoff-Bilanz von Ackersystemen ist meistens negativ» stellt Prof. Nina Buchmann fest. In einem solchen Fall ist die Menge des wichtigen Treibhausgases Kohlendioxid (CO2), das von den bewirtschafteten Systemen in die Atmosphäre abgegeben wird, höher als die Menge, die aufgenommen wird.

Wie lässt sich die Treibhausgas-Bilanz von Äckern verbessern? Prof. Buchmann stellte eine Messreihe vor, welche in Oensingen seit 2003 erhoben wird. Hier wurden verschiedene Ackerfrüchte gepflanzt, gedüngt und geerntet, von Getreide über Kartoffeln bis hin zu Erbsen. Während 13 Jahren wurden erhebliche CO2-Verluste gemessen. Weniger Verluste traten dann auf, wenn Zwischenfrüchte und organischer Dünger zum Einsatz kamen. Ausserdem konnte die ETH in einem weiteren Versuch im Grasland nachgewiesen, dass ein erhöhter Anteil von Leguminosen (Hülsenfrüchten) im Vergleich zur Stickstoff-Düngung bedeutend weniger N2O-Emissionen (Lachgas) freigibt. Bei N2O handelt es sich um ein Treibhausgas, das rund 300-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid.

Prof. Buchmann - Herausforderung Klimaswandel

Prof. Dr. Nina Buchmann

Die nächste Generation war live dabei

Das Baby einer Preisträgerin machte sich während der Keynote bemerkbar und erinnerte alle an die Herausforderungen, vor der die nächste Generation steht. Die Landwirtschaft ist verantwortlich für 13% der Treibhausgas-Emissionen der Schweiz. Tatsache ist auch, dass seit dem Jahre 1864 die Jahrestemperatur in der Schweiz um rund 2 Grad gestiegen ist. Die Erwärmung wird zwischen 2050 und 2070 wohl nochmals um 2 Grad zunehmen – falls Treibhausgas-Emissionen im bisherigen Masse ausgestossen werden.

Aussergewöhnliches könnte zum Normalfall werden

Langfristig betrachtet ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass in Zukunft häufiger trockene Perioden wie im Sommer 2018 und ausserordentlicher Frost wie im April 2017 auftreten. Die Pflanzen müssen sich den neuen Bedingungen anpassen. «Da sind auch neue und innovative Lösungen von der Pflanzenzüchtung gefragt», führte Prof. Nina Buchmann aus. Am Schluss beantwortete sie Fragen aus dem Publikum, die sich unter anderem um Pestizide und Kunstdünger drehten.

«Wertschöpfung ohne Wertschätzung ist undenkbar. Den gleichen Geist spüre ich auch bei Vontobel.»

Prof. Dr. Nina Buchmann

Vorausschauend die Nachhaltigkeit eingepflanzt

Herbert J. Scheidt betonte in seiner Rede wie sehr Dr. Hans Vontobel verantwortungsvolles Unternehmertum am Herzen lag. Vorausschauend und hartnäckig hatte er die Saat gestreut für Projekte und Geschäftsfelder im Bereich Nachhaltigkeit. Vontobel ist seit den 90er-Jahren Pionier für nachhaltiges Investieren und zählt heute zu den vier grössten Anbietern für nachhaltige Anlagelösungen in der Schweiz. Das Unternehmen ist seit 2009 klimaneutral und strebt eine CO2-Reduktion gemäss des Pariser Klimaabkommens an. Klimafreundliche Geschäftsideen unterstützt Vontobel als eines der Gründungmitglieder der Klimastiftung Schweiz.

Der Hans Vontobel-Preis zeichnet Forschungsarbeiten aus, die auf dem Gebiet der Agrarwissenschaften zu herausragenden Erkenntnissen führen. Der Preis gibt entscheidende Impulse und verbessert die Chance, dass die Agrarwirtschaft mit dem Nahrungsbedarf einer wachsenden Weltbevölkerung Schritt halten kann.

 

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