Den indonesischen Märkten steht eine mögliche Jokowi-Rallye bevor

Market Update , Fixed Income 16.04.2019 von Carl Vermassen
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Die Märkte antizipieren eine Wiederwahl des amtierenden indonesischen Präsidenten Joko Widodo (Jokowi). Es sind keine signifikanten Marktbewegungen zu erwarten, es sei denn, Jokowi kann sich mit einem Vorsprung von mehr als sieben Prozent deutlich durchsetzen. In einem solchen Fall könnten Staatsanleihen in Lokalwährung um 25 Basispunkte zulegen und die indonesische Rupiah ihren diesjährigen Höchststand von 13.900 gegenüber dem US-Dollar knacken, da Investoren ihre Währungsabsicherungsgeschäfte auflösen.

Für Indonesien wird der 17. April eine demokratische Bewährungsprobe der Superlative. Denn mehr als 240.000 Kandidaten stellen sich den über 190 Millionen Wahlberechtigten den mehr als 20.000 Mandate zur Wahl. Nicht weniger als fünf Abstimmungen müssen dabei für die Ämter des Präsidenten und Vizepräsidenten, für das Unterhaus (DPR), den Regionalrepräsentantenrat und die lokalen Provinz- und Gemeinderäte durchgeführt werden. Doch die grösste Aufmerksamkeit – auch aus Sicht der Märkte – gilt den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen.

Der amtierende indonesische Präsident Joko Widodo, auch bekannt als Jokowi, tritt gegen den ehemaligen General Prabowo Subianto für eine fünfjährige Amtszeit zwischen 2019 und 2024 an. Die Wahl kann daher auch als eine Wiederholung der Präsidentschaftswahl von 2014 angesehen werden, bei der sich Jokowi gegen seinen Kontrahenten Probowo durchsetzte.

Bei den Parlamentswahlen werden wohl beide Parteien gut abschneiden, was die Präsidentschaftswahl noch stärker in den Mittelpunkt rückt. Neueste Umfragen geben Jokowi einen Vorsprung von rund       18 Prozent, wobei nur sieben Prozent der Wähler noch unentschieden sind. Während es vereinzelte Hinweise dafür gibt, dass die Prabowo-Kampagne in letzter Minute in städtischen Gebieten eine starke Dynamik entwickelt hat, ist das wahrscheinlichste Szenario, dass Jokowi einen komfortablen – jedoch keinen deutlichen – Sieg erzielen wird.

Momentan antizipieren die Märkte einen moderaten Wahlsieg von Jokowi, so dass keine grossen Reaktionen zu erwarten sind. Staatsanleihen in Lokalwährungen und Devisen könnten etwas zulegen, jedoch ohne grössere Sprünge zu machen.

Anders sähe die Situation aus, sollte der diesjährige Wahlsieg deutlicher ausfallen als im Jahr 2014, als Jokowi nur eine knappe Mehrheit von sieben Prozent erzielen konnte. Das würde die Erwartungen an einen Bullenmarkt steigen lassen. In der Folge würden Staatsanleihen in Lokalwährungen um              25 Basispunkte zulegen können und die indonesische Rupiah könnte ihren diesjährigen Höchststand von 13.900 gegenüber dem US-Dollar übertreffen. Der Haupttreiber der Entwicklung der Währung ist eine rasche Auflösung der Währungsabsicherungsgeschäfte der Marktteilnehmer, da diese sich momentan mehr auf kurzfristige Gewinnmitnahmen als auf die langfristige Entwicklung der Leistungsbilanz des Landes konzentrieren. Auch die Bedenken bezüglich eines möglichen Einschreitens der Bank of Indonesia, um einem übermässigen Erstarken der indonesischen Rupiah Einhalt zu gebieten, scheinen sie über Bord geworfen zu haben.

 

Ein knapper Sieg von weniger als drei Prozent würde die Situation viel schwieriger machen: Prabowo hat zuvor angedeutet, dass er das Wahlergebnis infrage stellen wird, sollte seine Niederlage knapp ausfallen. Das bedeutet, dass nationale Unruhen nach den Wahlen nicht ausgeschlossen werden können. 

Sollte Prabowo wider Erwarten gewinnen, wird die Reaktion an den Märkten deutlich negativ ausfallen. Indonesische Lokalwährungsanleihen wären mit einem massiven Abverkauf konfrontiert, da internationale Investoren ihr derzeitig moderates Übergewicht in der Anlageklasse reduzieren würden. Dies könnte die Renditen 40 bis 65 Basispunkte in die Höhe schnellen lassen. Der Devisenmarkt wäre auch betroffen, wobei stützende Massnahmen der Zentralbank zu erwarten sind, sobald die Rupiah einen Wert von 14.500 bis 14.600 gegenüber dem US-Dollar erreicht.