Iranische Ölexportausfälle weiten Diesel – Benzin Preis-Spread aus

Market Update , Multi Asset 30.04.2019
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Der Rohölverlust des Irans verschärft ein globales Nachfrage-Angebots-Ungleichgewicht verschiedener Rohölqualitäten. Dies wird den Preis-Spread zwischen Diesel und Benzin ausweiten wobei Diesel im Preis steigen dürfte.

US-Präsident Trump hat sich entschieden, die Importausnahmen für iranisches Öl, die am 2. Mai auslaufen, nicht zu verlängern und wirft der islamischen Republik somit den Fehdehandschuh hin. Trotz seiner Beteuerungen, dass die Vereinigten Staaten und andere Opec-Mitglieder die Angebotslücke füllen würden, haben die Ölpreise stark angezogen, da der Markt ohnehin bereits tendenziell unterversorgt war und nun noch mit weniger Nachschub rechnen muss. Die Ölexporte des Irans beliefen sich im ersten Quartal auf 1.2 Millionen Barrel pro Tag. Im Mai werden sie auf ungefähr 500 000 Barrel pro Tag fallen.

Kurzfristig werden die Preise noch weiter anziehen, da Saudi Arabien erst dann agieren wird, wenn der Rohölverlust wirklich im Markt sichtbar wird. US-Schieferölproduzenten werden nicht in der Lage sein, schnell zu handeln, da niedrige Ölpreise in der Vergangenheit die kostenintensive Schieferölproduktion und Infrastrukturinvestitionen behindert haben.

Aufgrund des verringerten Ölnachschubs vom Iran erwarten wir, dass Ölpreise in der Breite und über alle Produkte hinweg (Diesel, Benzin etc.) steigen werden. Allerdings wird die Preisschere zwischen Diesel und Benzin besonders weit aufgehen.

Der Exportausfall des Irans betrifft vor allem Rohöl der Sorte «Medium Sour», während Saudi Arabien und die USA vermehrt die Sorte «Light» fördern. Diese Differenz in der verfügbaren Qualität ist für Ölraffinerien problematisch, da sie auf gewisse Rohölsorten zur Verarbeitung und Herstellung bestimmter Endprodukte eingestellt sind. Die Endprodukte werden mittels des physikalischen Trennverfahrens der Destillation gewonnen, mit dem das Rohöl im Primärverfahren in unterschiedlich schwere Fraktionen aufgetrennt wird, welche mit verschiedenen Endprodukten (Flüssiggas, Benzin, Kerosin, Diesel etc) korrespondieren. Die Verarbeitung von Rohöl produziert je nach Qualität zwar grundsätzlich die gesamte Bandbreite an Endprodukten, jedoch in unterschiedlichen Mengen. So eignet sich Rohöl der leichten und süssen Sorte besonders für die Gewinnung von Benzin, während Rohöl der schwereren Sorte eher Endprodukte niedrigerer Qualität wie Diesel und Heizöl hergibt.

Der Rohölverlust des Irans verschärft ein globales Nachfrage-Angebots-Ungleichgewicht, das verschiedene Rohölqualitäten betrifft. Zum einen hat Venezuela schon seit einer Weile mit politischen Unsicherheiten zu kämpfen, was die Rohölproduktion des Landes stark behindert und das globale Rohölangebot verringert. Weiterhin fördert die US-Schieferölproduktion zum Grossteil Rohöl der Sorte «Light». Dazu kommt, dass die International Maritime Organization (IMO) neue Vorschriften erlassen hat, die der internationalen Schifffahrt neue Regeln bezüglich des Sulfur-Gehalts auferlegt, den der für Schiffe verwendete Treibstoff enthalten darf. Da Schifffahrtsunternehmen sich gezwungen sehen werden, von Bunkertriebstoff auf schwefelärmere Treibstoffe, wie zum Beispiel Diesel, umzusteigen, wird die Nachfrage nach Rohöl im Allgemeinen und insbesondere nach gewissen Destillationsprodukten steigen und mit hoher Wahrscheinlichkeit die Preisdifferenz zwischen Diesel und Benzin ausweiten. Wir erwarten, dass die neuen IMO Vorschriften die Nachfrage nach Destillationsprodukten um mindestens 1.0 Millionen Barrel pro Tag steigen lassen wird. Um dieser Nachfrage nachzukommen, muss eine zusätzliche Menge von 2.5 Millionen Barrel pro Tag an Rohöl verarbeitet werden. Da jedoch bei jeder Verarbeitung von Rohöl je nach verwendeter Qualität unweigerlich auch unterschiedliche Mengen an Benzin gewonnen wird, schätzen wir den zusätzlichen Benzingewinn auf 0.8 Millionen Barrel pro Tag. Dies basiert auf der Annahme, dass die generell erhöhte Rohölnachfrage vor allem von Rohöl der Sorte «Light» gedeckt werden wird, die vor allem von Ölraffinerien für die Gewinnung von Endprodukten von höherer Qualität, wie Benzin, genutzt wird. Schlussendlich bedeutet das, dass Raffinerien zum einen höhere Mengen an Rohöl benötigen, zum anderen jedoch Schwierigkeiten haben werden, die komplette Palette an Destillationsprodukten in den Mengen, wie sie vom Markt nachgefragt werden zu produzieren. Als Folge dürfte ein Angebots-Nachfrage-Defizit bei einigen Destillationsprodukten und insbesondere bei Diesel zu erwarten sein, wohingegen sich ein Benzinüberschuss am Markt entwickeln könnte.

Aufgrund dieser Marktlage ist es für aktive Rohstoffinvestoren von Vorteil sich für steigende Rohölpreise und in den richtigen Rohölqualitäten und Endprodukten (Diesel, Gasöl) zu positionieren und sich gegen Underperformance von Benzinpreisen zu schützen.