Erste positive Zeichen aus dem Handelskonflikt

Insights 17.07.2018 von Lars Kalbreier
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Seit US-Präsident Donald Trump Anfang des Jahres in Davos seine neue Strategie zur Schaffung «gleicher Wettbewerbsbedingungen» ankündigte, beherrscht der Handelskonflikt zwischen den USA und China die Medien. Nach Monaten aggressiver Rhetorik, auf die kürzlich Taten folgten (Zollerhebungen), ergeben sich aus diesem Handelskonflikt nun jedoch erste Anzeichen für positive Entwicklungen.

Ohne viel Aufhebens von Regierungsseite wurde zwei ausländischen Unternehmen nun ganz diskret in bislang nicht gekanntem Umfang Zugang zum chinesischen Markt gewährt. Innerhalb einer Woche gaben das US-Unternehmen Tesla und der deutsche Luxusautobauer BMW bekannt, dass sie in China Werke errichten würden, ohne dafür einen chinesischen Mehrheitseigner zu benötigen. Dies erleben wir zum ersten Mal in der chinesischen Wirtschaftsgeschichte, denn bislang mussten sich ausländische Unternehmen stets einen lokalen Partner suchen. Bisher fanden solche Kooperationen in Form von Gemeinschaftsunternehmen statt, bei denen der Einfluss des ausländischen Unternehmens begrenzt war, da es keinen Mehrheitsanteil erwerben konnte.

Die kürzlichen Entwicklungen stellen eine unmittelbare Folge des Handelskonflikts dar:

  • Auf Unternehmensebene führten die Drohungen rund um die Erhebung von Handelszöllen dazu, dass Unternehmen die Standorte ihrer Fertigungsstätten zunehmend überdenken. Im Falle von Tesla würde die Erhebung eines sogenannten «Vergeltungszolls» in Höhe von 25 Prozent auf US-Importe nach China beispielsweise einen Preisanstieg zwischen USD 10’000 und USD 40’000 je verkauftem Fahrzeug bedeuten. Dadurch würde die Gewinnmarge von Tesla für jedes in China verkaufte Fahrzeug deutlich verringert oder die Wettbewerbsposition des Unternehmens in China erheblich beeinträchtigt. Somit hat der Handelskonflikt ein überzeugendes Argument dafür geliefert, die Produktion der Tesla-Fahrzeuge, die für den chinesischen Markt bestimmt sind, nach China zu verlagern.
  • Auf politischer Ebene kann sich die chinesische Regierung innenpolitisch zwar keinen Gesichtsverlust leisten, indem sie dem Druck seitens der USA scheinbar nachgibt, aber die Aufhebung der Begrenzung ausländischer Unternehmensbeteiligungen vermittelt anderen Staaten das deutliche Signal, dass China es mit dem Engagement für offene Märkte ernst meint. Bislang klang dies eher nach leeren Versprechungen, da China den geschlossensten Markt unter den wichtigsten Nationen der Welt aufwies. Die kürzlich ergriffene Massnahme stellt zudem einen ersten Schritt zur Schaffung von mehr Gegenseitigkeit im Handel dar – eine der wichtigsten Sorgen der US-Regierung und eine der Hauptursachen für die aktuellen handelspolitischen Spannungen.

Auch wenn die Entwicklungen der letzten Woche noch sehr frisch sind und nur kleine Schritte in die richtige Richtung bedeuten, lassen sie dennoch vermuten, dass China nicht an einem offenen Handelskrieg interessiert ist. Überdies deuten sie darauf hin, dass die neue US-Strategie zur Schaffung einheitlicherer Wettbewerbsbedingungen auf Basis eines Handels auf Gegenseitigkeit trotz aller Kontroversen, die sie ausgelöst hat, möglicherweise zur weiteren Öffnung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt für ausländische Unternehmen beigetragen hat.

 

Die CIO Weekly Thoughts fokussieren und reflektieren Themen, die Lars Kalbreier während der Woche beschäftigt haben. Es ist vielmehr eine freie Meinungsäusserung, um gesunde Debatten unter den Lesern auszulösen, und keinesfalls eine Strategie- bzw. Kaufs- oder Verkaufsempfehlung.