Die Herausforderungen der Digitalisierung als Chance

Insights 28.11.2019
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Die Einführung der EU-Regulierung MiFID II stellte das Wealth Management vieler Banken vor Herausforderungen. Wie man aus einer Not eine Tugend machen kann und warum in der heutigen schnellen Welt eine neue Teamorganisation nötig ist, zeigte Vontobel am 26. November anlässlich einer Veranstaltung des HSG Master in Banking & Finance Alumni Clubs.

„Früher hatten Banken oft die bessere Technologie als ihre Kunden. Dies ist heute nicht mehr unbedingt so“, fasste Vontobel-CEO und HSG-Alumnus Dr. Zeno Staub die Folgen der Digitalisierung zusammen. Viele Kunden nutzen inzwischen die Technologien von Tech-Giganten wie z.B. Google.

Alle Redner an diesem Abend im Auditorium des Vontobel Hauptsitzes waren sich einig: Die Digitalisierung bietet grosse Chancen. Instrumente mit denen Tech-Firmen ihre Applikationen entwickeln, können auch bei einer Privatbank überzeugende Resultate erzielen.

Herausforderungen durch MiFID II

Durch die Einführung von MiFID II wurde der Prozess der Kundenberatung deutlich aufwändiger, fasste COO Wealth Management Christian Gmünder die Ausgangsituation zusammen. So dauerte beispielsweise eine Transaktion nun 10 Minuten statt wie bisher 10 Sekunden und dazu wurden die Systeme anfälliger für Benutzer-Fehler.

Christian Gmünder, COO Vontobel Wealth Management (Bildcredits: Universität St. Gallen)

Daher hat Vontobel Wealth Management nach der fristgerechten Einführung des regulatorisch korrekten Prozesses, den gesamten Anlageberatungsprozess optimiert, um den Kunden sogar eine noch bessere Beratung als früher zu bieten. Solche Optimierungsaufgaben sind für Vontobel nicht neu. Was aber die traditionelle Arbeitsweise auf den Kopf stellte, war der sehr ambitionierte Zeitplan: In nur sechs Monaten sollte die neue Anlageberatungslösung einsatzbereit sein – in drei weiteren Monaten nebenher noch eine digitale Vermögensverwaltung für Kunden und nur wenig später ein rein digitaler Onboarding-Prozess entwickelt werden. Mit der bisherigen Vorgehensweise wäre dieses Ziel selbst durch die Einstellung neuer Mitarbeitenden unmöglich zu erreichen gewesen. Die Antwort auf die Herausforderung war der Vontobel WM Digital Hub.

Produktentwicklung durch interdisziplinäre Teams

Im Digital Hub arbeiten Teams nach dem Prinzip der Agilität, das Tech-Firmen schon lange kennen. Wie Vontobel dieses Instrument nutzt, stellte Christian Hauser, Head Business Engineering & Digitalization, vor. Die agilen Teams setzen sich zusammen aus Vertretern verschiedener Abteilungen: vom Relationship Manager über den Software Entwickler bis zum Sales-Spezialisten. In einem solchen Team arbeiten die Mitarbeitenden nicht mehr in ihrer traditionellen Linienorganisation, sondern in einem gemischten Team, das nur den Kundennutzen im Fokus hat – über alle Organisationseinheiten hinweg. Das interdisziplinäre Team bleibt nicht nur temporär in einem Projekt-Kontext bestehen, sondern dauerhaft bis zum Ende des Produktlebenszyklus und betreibt das Produkt auch.

Voraussetzung dafür ist, dass das Management dem Team viel Freiraum einräumt. Vertrauen und Kommunikation ersetzen die alten Kontroll-Strukturen. Den Mitarbeitenden wird der volle Kontext gegeben, und sie haben direkten Kontakt zu Kunden und Relationship Managern. Dadurch steigt die Identifikation mit den Zielen und die Motivation enorm. Leadership wird in einem solchen Konstrukt nicht irrelevant, ändert aber seinen Fokus von engen Vorgaben und Kontrollen hin zu einer Vorgabe der groben Ziele und dem Ausräumen von Hindernissen und Coaching für das Team, wie Christian Hauser herausstrich.

Die Anwendungen, welche von den Teams des Digital Hub bisher entwickelt wurden, konnten von den Anwesenden genauer unter die Lupe genommen werden. Sie wurden an Marktständen von Vertretern der Entwicklungsteams vorgestellt: Wealth Management Workplace, die Advisory and Risk Solution MARS, die Risk Engine, das Digital Onboarding, das mobile Banking und Vontobel Volt®.