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Immobilienfonds: So könnten Schweizer Anleger Steuern sparen

Zwei Immobilienfonds können dieselbe Rendite erzielen und nach Abzug der Steuern dennoch zu einem deutlich unterschiedlichen Ertrag führen. Warum das so ist und worauf Anleger achten sollten.

Publiziert am 06.11.2026 MEZ

Viele Anleger schätzen Immobilien als langfristige Wertanlage. Doch nicht jeder möchte selbst Mietliegenschaften erwerben, sich um deren Unterhalt kümmern oder Mietverhältnisse verwalten. Immobilienfonds bieten die Möglichkeit, ohne eigene Bewirtschaftung in Immobilienprojekte zu investieren.

Wie funktioniert ein Immobilienfonds?

Ein Immobilienfonds bündelt das Kapital vieler Anleger und investiert es in ein Portfolio aus Liegenschaften wie Wohnimmobilien, Bürogebäuden oder Gewerbeobjekten. Anleger erwerben somit nicht direkt eine Immobilie, sondern Anteile an einem professionell verwalteten Immobilienportfolio. Die Auswahl, Finanzierung und Bewirtschaftung der Immobilien wird grundsätzlich von der Fondsleitung übernommen.

Die Erträge stammen in der Regel primär aus den Mieteinnahmen der Liegenschaften und möglichen Wertentwicklungen des Portfolios.

Bei der Auswahl eines Fonds stehen häufig die erwartete Rendite und die anfallenden Gebühren im Vordergrund. Insbesondere für Privatanleger mit Wohnsitz in der Schweiz lohnt sich aber auch ein Blick auf dessen steuerliche Struktur. Denn je nachdem, ob ein Immobilienfonds seine Liegenschaften direkt oder indirekt hält, kann die Rendite nach Steuern deutlich unterschiedlich ausfallen.

Direkter oder indirekter Immobilienbesitz: der entscheidende Unterschied

Schweizer Immobilienfonds lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen:

Indirekter Immobilienbesitz

Die Immobilien werden über Tochtergesellschaften gehalten.

Direkter Immobilienbesitz

Der Fonds ist selbst Eigentümer der Liegenschaften.

Auf den ersten Blick scheint dieser Unterschied rein strukturell. Für Privatanleger hat er jedoch erhebliche steuerliche Konsequenzen.

Fondsbesteuerung

Indirekter Immobilienbesitz

Bei Immobilienfonds mit indirektem Immobilienbesitz werden die steuerbaren Erträge grundsätzlich dem Anleger zugerechnet. Sie unterliegen dementsprechend der persönlichen Einkommenssteuer. Zudem wird der gesamte Fondswert bei der Berechnung der Vermögenssteuer des Anlegers berücksichtigt.

Direkter Immobilienbesitz

Bei Schweizer Immobilienfonds mit direktem Grundbesitz gilt eine besondere Regel: Die Erträge aus den direkt gehaltenen Liegenschaften sowie das entsprechende Immobilienvermögen werden bereits auf Ebene des Fonds besteuert.

Für Privatanleger kann daraus ein wesentlicher Vorteil entstehen: Die bereits auf Fondsebene besteuerten Immobilienerträge unterliegen beim Anleger nicht mehr der persönlichen Einkommenssteuer. Auch das auf die direkt gehaltenen Immobilien entfallende Vermögen wird beim Anleger nicht nochmals mit der Vermögenssteuer belastet.

Der Anleger versteuert also nur das Vermögen und die Erträge, die nicht direkt auf die Immobilien entfallen. Dazu zählen beispielsweise liquide Mittel sowie Zins- und Wertschriftenerträge, die nicht aus dem direkten Grundbesitz stammen.


“Entscheidend ist nicht allein die Rendite, die ein Immobilienfonds erzielt, sondern der Ertrag, der nach Steuern tatsächlich im Vermögen des Anlegers verbleibt. Eine fundierte Beurteilung berücksichtigt deshalb stets auch die steuerliche Struktur des Fonds.”

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Portrait von Claude Frosio, Vontobel

Claude Frosio

Senior Tax Consultant

Praxisbeispiel

Wie stark sich dieser Unterschied auswirken kann, zeigt ein vereinfachtes Beispiel. Angenommen, ein Anleger investiert CHF 1 Mio. in einen Schweizer Immobilienfonds. Bei einer beispielhaften Bruttorendite von 5 Prozent resultiert ein jährlicher Ertrag von CHF 50’000.

Bei einem Fonds mit indirektem Immobilienbesitz werden die Erträge auf Ebene des Anlegers besteuert. Die konkrete Einkommens- und Vermögenssteuerbelastung hängt dabei unter anderem vom Wohnort und von den persönlichen Steuerverhältnissen des Anlegers ab. Im vorliegenden Beispiel wird eine hohe persönliche Steuerbelastung bei einem Wohnsitz in Genf angenommen.

Unter diesen Annahmen belaufen sich die Einkommens- und Vermögenssteuern auf rund CHF 30'000. Von einem Bruttoeinkommen von CHF 50'000 verbleiben dem Anleger nach Steuern entsprechend CHF 20'000, was einer Rendite von 2.0 Prozent gleichkommt.

Bei einem Fonds mit direktem Immobilienbesitz werden die Immobilienerträge und das entsprechende Immobilienvermögen hingegen bereits auf Ebene des Fonds besteuert.

Unter denselben, oben getroffenen Annahmen beläuft sich diese Steuerbelastung auf rund CHF 5’000, sodass dem Anleger ein Ertrag nach Steuern von CHF 45’000 beziehungsweise eine Nachsteuerrendite von 4.5 Prozent verbleibt.

Das Beispiel verdeutlicht: Obwohl beide Fonds dieselbe Bruttorendite von 5 Prozent erzielen, kann die unterschiedliche steuerliche Behandlung zu erheblichen Unterschieden bei der Nachsteuerrendite führen.

Warum der Steuerwert eines Fonds unter dem Börsenkurs liegen kann

Anleger stellen mitunter fest, dass der im Steuerverzeichnis ausgewiesene Wert eines börsenkotierten Immobilienfonds deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs liegen kann. Dies ist nicht zwangsläufig auf eine fehlerhafte Bewertung zurückzuführen. Der Börsenkurs entspricht dem Preis, zu dem ein Fondsanteil an der Börse gehandelt wird. Der Steuerwert gibt hingegen an, welcher Anteil davon beim Anleger steuerbar ist. Bei Immobilienfonds mit direktem Grundbesitz bleibt das bereits auf Fondsebene besteuerte Immobilienvermögen grundsätzlich ausser Betracht. Dasselbe gilt für die daraus erzielten Erträge.

Fazit

Immobilienfonds ermöglichen den Zugang zum Schweizer Immobilienmarkt, ohne selbst Liegenschaften erwerben und bewirtschaften zu müssen. Bei der Fondsauswahl kann es sich lohnen, nicht nur auf Rendite oder Gebühren zu achten, denn ebenso entscheidend ist die Struktur des Fonds aus steuerlicher Sicht. Insbesondere für Anleger mit einer höheren Steuerbelastung können Immobilienfonds mit direktem Grundbesitz je nach individueller Steuer- und Anlagesituation eine attraktivere Nachsteuerrendite erzielen als Fonds mit indirektem Immobilienbesitz.

Eine auf die persönliche Vermögens- und Steuersituation abgestimmte Beratung kann dabei helfen, die steuerlichen Auswirkungen im Zusammenspiel mit den Anlagezielen, dem Risikoprofil und dem bestehenden Portfolio zu beurteilen, um eine fundierte Anlageentscheidung zu ermöglichen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen über Immobilienfonds in der Schweiz


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