Der tiefe Fall des Rohöls

Insights, Coronavirus
23.03.2020 Lesezeit: 1 Minute(n)

Steigendes Angebot und Nachfragerückgang wegen des Coronavirus haben den Ölpreis vorübergehend auf USD 20 gedrückt. So günstig war der Rohstoff das letzte Mal vor knapp 20 Jahren.

Die Ölpreise steigen und fallen im Takt mit Angebot und Nachfrage – und geopolitschen Ereignissen wie der Corona-Pandemie


Man muss lange zurückblättern, um eine Rohölnotierung um die USD 20 pro Fass zu finden: Nicht einmal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise unterschritt der Preis für das Fass Rohöl die 30-USD-Marke. Ende 2001 waren die Ölnotierungen das letzte Mal auf USD 20 gefallen als Folge des Terroranschlags vom 11. September 2001.

In Zeiten des grassierenden Coronavirus gerät der Preis gleich von beiden Seiten unter massiven Druck, der Angebots- wie auch der Nachfrageseite. Die Nachfrage hat in kurzer Zeit durch den Coronavirus und den Versuch, die Verbreitung einzudämmen, rapide abgenommen: Fluggesellschaften weltweit streichen ihre Flugpläne zusammen und Produktionsanlagen werden stillgelegt oder deutlich eingeschränkt. Wie lange die Nachfrage gedämpft bleibt, ist schwierig abzuschätzen.

Ölschwemme aus Saudi-Arabien

Auf der anderen Seite steigt das Angebot: Der Versuch der Organisation erdölexportierender Länder, Opec, mit Russland zusammen durch die Begrenzung der Fördermenge das Angebot zu reduzieren und so den Preis zu stützen, misslang. Russland erteilte dem Ansinnen eine Absage, worauf Saudi- Arabien den Ölmarkt schwemmte mit dem Ziel, den Preisrückgang durch eine höhere Absatzmenge zu kompensieren. Der Preis brach in der Nacht auf den 9. März um 30 % ein und hat seine Talfahrt danach fortgesetzt.

Schlechte Nachrichten über die Verbreitung des Coronavirus dürften anhalten, ebenso die Massnahmen zur Eindämmung der Ansteckungen. Auch sieht es so aus, als sei Saudi-Arabien gewillt und in der Lage, die Produktion auf das Maximum heraufzufahren. Und doch, um langfristige Positionen in Rohöl aufzubauen, ist jetzt wohl nicht der schlechteste Moment.

Futures-Kontrakte oder Ölaktien?

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten, um an einem steigenden Ölpreis zu partizipieren: Sie können zum Beispiel in Aktien aussichtsreicher Ölkonzerne investieren, um an der Preisentwicklung indirekt teilzuhaben. Oder sie investieren in Öl-Futures-Kontrakte. Das hängt von der Form der Ölpreis-Futures-Kurve:  In einer Contango-Konstellation (die Spotpreise liegen über den Terminkursen) entstehen Rollverluste bei einer Investition in Futures. Um Rollverluste in einer Contango-Situation zu vermeiden, sind Öl-Aktien die bessere Wahl. Liegen die Spotpreise unter den Terminkursen (Backwardation-Situation), partizipieren Anleger an möglichen Rollgewinnen.

 

 

 

 

 

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