Smart Farming & Food Technologie revolutionieren die Zukunft der Lebensmittel­versorgung

Insights, Trends, Nachhaltige Wertschöpfung Aktualisiert am 24.03.2021
Ursprünglich veröffentlicht am 02.05.2018 von Dan Scott Lesezeit: 2 Minute(n)

Um den steigenden Nahrungs­mittel­bedarf der Welt­bevölkerung zu decken, muss die land­wirtschaft­liche Produktion nachhaltig erhöht werden. Eine mögliche Lösung zeigt in Richtung Smart Farming und neue Food Technologien. In Kombination, so die Hoffnung, sollen sie rückläufige Ernte­erträge kompensieren.

Animierte Grafik zum Problem der wachsenden Nahrungsmittelknappheit

 

Dieses Investment-Thema basiert auf dem Vontobel Megatrends Modell. Es wurde erstmals im Mai 2018 beschrieben. In der Zwischenzeit hat die Entwicklung weiter an Relevanz gewonnen. Daher wurden die nachfolgenden Informationen und Grafiken anfangs 2021 umfassend aktualisiert und ergänzt.  Direkt zu den Facts &  Figures

 


Die Weltbevölkerung wird nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) bis zum Jahr 2050 auf 9.8 Milliarden Menschen anwachsen. Und mit ihr die Nachfrage nach Lebensmitteln. Um mit diesem Wachstum Schritt zu halten, muss die weltweite Nahrungs­mittel­produktion um 70 Prozent steigen.

Gleichzeitig sieht sich die Land­wirtschaft aber mit funda­mentalen Einschränkungen konfron­tiert: Nicht nur müssen die Land­wirte mit den Folgen des Klima­wandels, einschliesslich extremerer Wetter­bedingungen, zurechtkommen. Auch Ackerland ist nur begrenzt verfügbar, der Bedarf an Süss­wasser nimmt zu und die Steigerung von Ernte­erträgen verlangsamt sich.

Intelligente Anbau­methoden (Smart Farming) und neuen Food Technolo­gien können Teil der Lösung sein.

Die fortschreitende Digitalisierung der Land­wirtschaft führt dazu, dass im Ackerbau und in der Tier­zucht immer ausgefeil­tere Technologien eingesetzt werden können. Daneben verändern sich aber auch unsere Ess­gewohn­heiten. Der Konsum von nicht Fleisch-basierten Proteinen nimmt zu. Aus Asien erreichen uns neue Ernährungs-Trends und unser Bewusstsein für individuelle Ernährungs­bedürf­nisse ist geweckt.

All das hat eine Vielzahl von Lebensmittel­innovationen angestossen.

 

 

5 Säulen einer Lebens­mittel­versorgung der Zukunft

Besondere Aufmerksamkeit verdienen:

  • die digitale Landwirtschaft (Stichwort «Precision Farming»)
  • Forschung über Getreide, Pflanzen und Tiere (Stichwort «Resistenz»)
  • eine Landwirtschaft in kontrollierter Umgebung (Stichwort «CEA»)
  • das Tierwohl und das menschliche Wohlergehen (Stichwort «Alternative Proteine»)
  • Verbesserungen der Liefer- und Versorgungsketten (Stichwort «Food Waste»)

Um zu vestehen, welchen Beitrag jede der fünf Säulen leistet, muss man ihre unterschiedliche Zielsetzung genauer kennen.

 

  • Digitale Landwirtschaft

    Die digitale Landwirt­schaft will den land­wirtschaftli­chen Ertrag optimieren. Dafür kombiniert sie neue Technologien (GPS-Dienste, Sensoren und Robotik) und eine neue Art der Informations­verarbeitung (Big Data).

    Das Ziel: Landwirte sollen auf gleicher Fläche mehr Lebens­mittel produzieren können, indem sie hoch­präzise Pflanz-, Dünge- und Be­wässerungs­methoden einsetzen. Oder etwa fortschrit­tliche Traktoren, die grosse Mengen an Daten sammeln, die analysiert und dann verarbeitet werden können, um die Ernte­erträge zu verbessern.

    Hintergrundbericht über «Precision Farming»

     

  • Forschung über Getreide, Pflanzen und Tiere

    Studien der Anbau-, Pflanzen- und Tierwissen­schaften zeigen deutlich, wie Getreide, Pflanzen und Nutztiere durch Umwelt­faktoren beeinflusst werden.

    Diese Studien zielen darauf ab, Lösungen bei der Produktion von Getreide und Pflanzen zu finden und Nutztiere mit besserer Futtermittel­effizienz, Krankheits­resistenz, Klima­toleranz und mit einer höheren Nähr­stoff­qualität für den menschlichen Verzehr zu züchten. Der Prozess beginnt oft mit der Analyse und Charakteri­sierung der Genetik eines Getreides, einer Pflanze oder eines Tieres und seiner spezifischen Stärken und Schwächen. Das Getreide, die Pflanze oder das Tier wird dann gezüchtet, um entweder seine genetische Vielfalt zu erhalten oder seine genetische Qualität zu verbessern.

  • Landwirtschaft in kontrollierer Umgebung (CEA)

    Controlled-environment agriculture (kurz: CEA respektive SMART-CEA) ist ein Ansatz, bei dem Getreide in Innen­räumen angebaut wird. Diese Anbau­methode erlaubt es – im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft –, die Nutzung von Wasser und Anbauflächen zu optimieren. Zentrale Faktoren wie Licht, Temperatur, Feuchtigkeit, CO2 und Nährstoffkonzentration lassen sich so kontrollieren und steuern.

    Vertikale Landwirt­schaft ist ein gutes Beispiel mit einem willkommenen Neben­effekt. Sie ermöglicht die Lebens­mittel­produktion näher an Städten. Oder sogar direkt in den Städten.

    Investment-Thema Vertical Farming: Aufeinander gestapelte Holzkisten dienen als Töpfe, um Lebensmittel wie Salate, Kräuter usw. zu ziehen

     

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    Blog-Artikel zu Thema «Vertical Farming»



  • Tierwohl und menschliches Wohlergehen

    Im Bereich Tiergesundheit sind Lösungen gefragt, die Krank­heiten verhindern, kranke Tiere wieder genesen lassen und den Ausbruch von Krankheiten kontrol­lieren. Davon profitieren insbesondere landwirt­schaft­liche Betriebe mit eigener Vieh­zucht.

    Was das Wohlergehen der Menschen betrifft, so sollen alternative Proteine zur Ver­fügung stehen, die klima­freundlicher sind. Dazu zählen etwa Protein­quellen wie Insekten, pflanzliche Proteine und die zelluläre Land­wirtschaft.

    Functional Food, also funktionelle Lebens­mittel, zielen darauf ab, das Nährwert­profil, den Geschmack und die Konservierung von Lebens­mitteln zu verbessern.

    Die personalisierte Ernährung möchte individuelle Daten sammeln und massgeschneiderte Ernährungs­empfehlungen bereit­stellen, basierend auf den genetischen und umwelt­bedingten Faktoren einer Person.

  • Verbesserungen der Liefer- und Versorgungsketten

    Die Food-Waste-Schätzung der Vereinten Nationen zeichnet eine düsteres Bild: Welt­weit gehen rund 30 Prozent der Lebensmittel verloren, die für den menschlichen Verzehr produziert werden. Sie werden ver­schwendet oder irgendwo in der Lebens­mittel­versorgungs­kette aus­sortiert, so die Ernährungs- und Land­wirtschafts­organisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization, FAO).

    Die Hauptgründe für diese massiven Nahrungs­mittel­verluste sind ineffiziente Systeme zur Nahrungs­mittel­produktion und -versorgung. Inzwischen werden auch riesige Mengen an Lebens­mitteln verschwendet, da sie für die Konsumentinnen und Konsumenten unästhetisch sind und weg­geworfen werden – obwohl die Lebens­mittel noch für den menschlichen Verzehr ge­eignet gewesen wären. Auch durch schlechtes Bestands­management werden Lebens­mittel unnötig ver­dorben und damit ver­schwendet.

    Innovative Lösungen zur Abfall­verfolgung und -analyse sollen zeigen, bei welchem Schritt und zu welchem Zeitpunkt in der Lebensmittel-Liefer­kette der tatsächliche Lebensmittel­verlust und/oder die Ver­schwendung stattfindet.

    Ein Bild, das in Corona-Zeiten fast schon Alltag ist: Am Knauf der Haustüre hängt ein Einkaufsnetz mit Obst und Salat vom Bauern aus der Region.

     

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    Blog-Artikel zum Thema «Local Food»

 

 

 

Der globale Trend zu Smart Farming als Investment-Thema

Der globale Markt für Smart Farming wird nach Schätzungen des Markt­forschungs­unternehmens BIS Research im Jahr 2022 knapp über 23 Mrd. USD erreichen. Das entspricht zwischen 2017 und 2022 einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 19.3 Prozent.

Die am schnellsten wachsenden Segmente dieses Sektors

  • Überwachung von Viehherden und einzelnen Tieren (Fachbegriff «lifestock monitoring»)
  • Management Lösungen
  • Indoor Farming (siehe Diagramm 2)

Ausgewählte Anbieter von innovativen Produkten und Dienstleistungen im Smart-Farming-Ökosystem sollten daher von der steigenden Nachfrage nach Digitalisierung profitieren.

Smart Farming als Investment-Thema: Eine Drohne schwebt über einem grün bepflanzten Feld. Gesteuert wird sie von einem Bauer, der mit Smartphone im Feld steht

»Smart Farming« als Investment-Thema

Auf den ersten Blick stehen Aktien im Bereich digitale Land­wirtschaft im Fokus. Doch auch Indoor Farming, Vertical Farming und generell Food Technologie können für Investoren spannend sein. Wie spielen sie zusammen?

Passende Investment-Ideen

 

 

Diagramm 1: Der weltweite Markt für Smart Farming wächst im Durchschnitt um jährlich fast 20 Prozent.

Diagramm: Von USD 9.58 Mrd. auf 23.14 Mrd. in nur 5 Jahren (durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19,3%)

Quelle: BIS Research (ID 720062), Statista

Die sogenannte Compound Annual Growth Rate (CA GR) beträgt umgerechnet 19.3%.

 

 

Diagramm 2: Prognostiziertes globales Wachstum 2017–2022, aufgeschlüsselt nach Segmenten.

Diagramm: Die fünf am stärksten wachsenden Segmente des globalen Smart-Farming-Marktes (durchschnittliche jährliche Wachstumsrate)

Quelle: BIS Research (ID 957386), Statista

 

 

 

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Beispielbild zum Megatrend Technologiewandel: Eine Roboterhand versucht, eine Gänsefeder zu fangen, die langsam nach unten schwebt. © GettyImages

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