Warren Buffetts neuer Favorit

Insights , Insights , Geopolitik
15.05.2018 von Lars Kalbreier Lesezeit: 3 Minute(n)

Warren Buffetts jährlicher Branchentreff in Omaha ist im Laufe der Jahre so legendär geworden, dass er liebevoll als «Woodstock des Kapitalismus» bezeichnet wird. Jedes Jahr reisen Tausende von Investoren in den Bundesstaat Nebraska, um den berühmten Investor persönlich kennenzulernen und einen Funken seiner Weisheit mit nach Hause zu nehmen.

Obwohl auf der Veranstaltung Festivalstimmung herrscht, zum Beispiel gibt es ein Picknick und ein lustiges Rennen, mangelt es auch nicht an fundierten Anlagetipps, die sich im Laufe der Zeit oft als richtig erwiesen haben.

Die beiden Höhepunkte des diesjährigen Events, das letzte Woche stattfand, waren zum einen Warren Buffetts Einschätzung des Bitcoin – er ist kein Fan davon und nennt den Bitcoin «Rattengift hoch zwei» – zum anderen sein Lob für Apple, eine Aktie, bei der er kürzlich seine Position verdoppelte und die nun Berkshire Hathaways grösste Single Holding ist.

Apple erfüllt fast alle Anforderungen

Während ersteres für viele nicht überraschend ist, wirft letzteres mehr Fragen auf. Warum investiert der wohl berühmteste Value-Investor, der normalerweise Konsumgüterhersteller wie Coca Cola bevorzugt, deren Geschäft er gut versteht (er trinkt seine geliebte Cherry Coke täglich), in einen Technikkonzern, von dem er nicht ein einziges Produkt besitzt (er hat kein iPhone, da er lieber bei seinem alten Telefon bleibt ...)?

Die Antwort ist einfach: Apple erfüllt fast alle Anforderungen, die Buffetts Anlagestil berühmt gemacht haben.

  1. Obwohl Apple als Technikkonzern eingestuft wird, hat das Unternehmen mehr Ähnlichkeit mit einem Konsumgüter-, oder gar Basiskonsumgüterhersteller. Smartphones und Tablets sind zu grundlegenden Produkten in unserem Leben geworden – denken Sie nur einmal an die letzte Gelegenheit, bei der Sie Ihr Smartphone vergessen oder verlegt haben. Wie bei Coca Cola ist es auch bei Apple so, dass Konsumenten sich an die Produkte und deren aussergewöhnliche Benutzerfreundlichkeit gewöhnen, z.B. beim iPhone oder iPad. Sie tendieren dann dazu, auch weiterhin Apple-Produkte zu kaufen und sichern dem Unternehmen so einen stabilen Cashflow, obwohl der Markt gesättigt ist. Das ist der Grund, warum Apple seine Produkte zwar ständig verbessert, aber nicht radikal ändert, so dass es für Kunden leicht ist, von einer älteren auf eine neuere Version umzusteigen. Sobald wir uns an ein Produkt gewöhnen, wird es schwieriger, zu Wettbewerbern zu wechseln, selbst wenn deren Produkte technologisch etwas ausgefeilter sind.
  2. Apple hat zudem ein ganzes Ökosystem erschaffen, in dem alle Produkte miteinander verknüpft sind. Zum Beispiel synchronisiert sich das iPhone mit dem iPad und dem iMac und alle Produkte sind mit der gleichen Cloud verbunden, so dass der Zugriff auf ein Foto oder eine Musikbibliothek mühelos möglich ist, unabhängig davon, welches Gerät gerade verwendet wird. Der Übergang von einem Gerät zum nächsten geschieht nahtlos und das Ökosystem umfasst auch die meisten Apps. Das alles hält Kunden davon ab, zu Wettbewerbern zu wechseln, wenn sie erst einmal Teil des Apple-Ökosystems geworden sind.
  3. Apple profitiert von einem sehr starken Markennamen. Alle sehen in Apple «die» coole Marke, egal ob Baby-Boomer oder Millennium-Generation. Dies bietet Apple mehr Spielraum bei der Preisgestaltung und damit höhere Margen als bei der Konkurrenz. Apple profitiert zudem von einer starken Kundentreue, was seinen Gewinn weniger volatil macht: Die Kunden werden wohl nicht direkt zum Wettbewerber wechseln, nur weil der ein paar neue, coole Features einführt.

Aktionäre kommen zuerst

All diese Eigenschaften bilden starke «Wassergräben», die ein Unternehmen weniger anfällig für Angriffe von Konkurrenten machen. Genau das ist ein Firmenmerkmal, das für Warren Buffetts Anlagestil immer zentral war.Dennoch wären diese Eigenschaften noch nicht Grund genug, in Apple zu investieren, wenn Buffett nicht von der Qualität des Firmenmanagements überzeugt wäre. Auch in diesem Punkt erfüllt der aktuelle CEO von Apple, Tim Cook, Buffetts Anforderungen. Denn tatsächlich zeigt Cooks jüngste Entscheidung, einen grossen Teil seines gigantischen Barbestands zur Rückzahlung der Aktionäre zu verwenden, eine gute Corporate Governance. Andere CEOs hätten den Bargeldbestand genutzt, um ich-orientierte, wertvernichtende Akquisitionen zu machen. Leider gibt es für ein solches Verhalten nur allzu viele Beispiele in der jüngeren Vergangenheit. Solche Firmen zu meiden, war auch schon immer eine Hauptzutat in Buffetts Erfolgsrezept!

 

Die CIO Weekly Thoughts fokussieren und reflektieren Themen, die Lars Kalbreier während der Woche beschäftigt haben. Es ist vielmehr eine freie Meinungsäusserung, um gesunde Debatten unter den Lesern auszulösen, und keinesfalls eine Strategieempfehlung.

  

  

 

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