Der Wiederaufstieg des Westens

Insights 14.11.2019
Lesezeit: 2 Minute(n)

Die USA und China kämpfen um die Vormachtstellung in der Welt. Wenn die USA mit einer geei-nigten EU auf die Machtansprüche Chinas reagiert, könnte global ein vorherrschendes System entstehen, das sich stark an westlichen Werten orientiert.

Die USA und China befinden sich in einem Handelsstreit. Dabei geht es neben wirtschaftlichen Fragen auch um politische Machtansprüche. Wie das Kräftemessen ausgeht, ist offen. Im Whitepaper "Die nächste digitale Supermacht" von Vontobel und Eurasia Group werden potenzielle Entwicklungsszenarien vorstellt. Der erste Blogbeitrag ging von einem Basisszenario aus, in dem es keinen klaren Sieger gibt. Die direkte Konkurrenz zwischen China und der USA führt zu einer bipolaren Welt.

Ein alternatives Szenario besteht darin, dass der Einfluss Chinas durch eine koordinierte Reaktion der USA und ihrer Verbündeten spürbar beschnitten wird. Voraussetzung dafür ist einerseits eine neue Besetzung des Weissen Hauses, die multilaterale Ansätze verfolgt, und andererseits, dass die Konflikte innerhalb der EU abnehmen, so dass eine einheitliche Politik möglich wird.

Der Westen übernimmt die Technologie-Vormacht

Die USA und die EU schliessen einen transatlantischen Kompromiss über Themen in den Bereichen Technologie und Datenschutz. Der Druck auf den chinesischen Technologiesektor wird erhöht mit dem Ziel, seinen Zugang zu Bereichen einzuschränken, die für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, das Militär und die nationale Sicherheit wichtig sind.

Die Sanktionen gegen Huawei erreichen ein maximales Ausmass. Der Westen übernimmt bei der 5G-Technologie die Führung – wenn auch zu deutlich höheren Kosten und langsamer, als es mit Huawei vorangegangen wäre. China wird die koordinierten Aktivitäten der USA und ihrer Verbündeten nicht einfach hinnehmen, sondern versuchen, die westliche Koalition mit wirtschaftlichen Gegenmassnahmen und einer bilateralen Diplomatie zu schwächen, die Keile in die EU treiben soll. Dafür wird China unter anderem seine Beziehungen zur 17+1 Gruppe nutzen.

Zugeständnisse Chinas

Im Inland wird die Kommunistische Partei immer mehr unter Druck geraten, da ihr Gesellschaftsvertrag durch die zunehmende wirtschaftliche Schwäche untergraben wird. Wenn China politisch die Möglichkeit gegeben wird, das Gesicht zu wahren, dürfte es sich letztlich an den Verhandlungstisch setzen. Die USA und ihre Verbündeten werden ihre wirtschaftliche Stärke ausspielen und Kompromisse erreichen, die stark an westlichen Werten orientiert sind.

Das hier beschriebene Szenario hängt davon ab, wie breit eine von den USA angeführte Koalition angelegt ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass China tatsächlich bei keinem Versuch, die Koalition zu schwächen, Erfolg hat, ist gering. Auch die erforderliche politische Stabilität in Europa könnte schwierig zu erreichen sein. Darum ist dieses Szenario als weniger wahrscheinlich als das Basisszenario einzuordnen.

Lesen Sie demnächst auf dem Inspirations-Blog, was passiert, wenn sich die USA und China bei wichtigen Themen auf Kompromisse einigen.

Die nächste digitale Supermacht: Szenarien für den Konflikt zwischen den USA und China

Blickt man auf die Weltwirtschaft, so dominiert der Handelsstreit zwischen den USA und China die Schlag-zeilen. Diesen Streit auf einige Handelsfragen zu reduzieren, ist aber zu kurz gegriffen. Eher ist die heutige Konfrontation das Ergebnis einer Reihe von Entwicklungen über mehrere Jahrzehnte, ausgelöst durch grundlegende Uneinigkeit über den Zustand der Welt.

Mit dem Whitepaper „Die nächste digitale Supermacht“ vermittelt Vontobel gemeinsam mit der Eurasia Group ein Verständnis für die Ursachen der vielschichtigen Verflechtungen von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Die Studie analysiert ausserdem die potenziellen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft in den nächsten fünf Jahren.

Hier können Sie das Whitepaper kostenlos downloaden.